Serie-A-Schiedsrichterskandal: Rocchi wegen Sportbetrugs unter Ermittlung

Serie-A-Schiedsrichterskandal: Rocchi wegen Sportbetrugs unter Ermittlung

Gianluca Rocchi — der Mann, der für jedes Spiel der Serie A und Serie B die Schiedsrichter einteilt — steht unter strafrechtlicher Ermittlung wegen "Beteiligung an Sportbetrug". Er steht im Verdacht, während laufender Spiele physisch in die Arbeit der VAR-Offiziellen eingegriffen zu haben. Kein Papierkrieg. Keine vage Voreingenommenheitsbehauptung. Angeblich klopfte er an die Scheibe der VAR-Kabine, um Offizielle zu bestimmten Entscheidungen zu drängen.

Rocchi bestätigte es selbst am Samstag: "Heute Morgen habe ich eine Ermittlungsbenachrichtigung erhalten. Ich bin sicher, dass ich immer korrekt gehandelt habe und habe volles Vertrauen in die Justiz."

Was die Ermittlung tatsächlich behauptet

Die Untersuchung unter der Leitung des Mailänder Staatsanwalts Maurizio Ascione konzentriert sich hauptsächlich auf die Saison 2024-25 — die Saison, die Napoli am letzten Spieltag gewann. Berichten zufolge soll Rocchi seine vorgesehene Position im VAR-Zentrum Lissone verlassen und während laufender Überprüfungen an die Glastür des VAR-Raums geklopft haben, um Spielfeldentscheidungen zu beeinflussen.

Ein konkreter Vorfall sticht hervor. Während des Spiels Udinese gegen Parma am 1. März 2025 überprüfte VAR-Offizieller Daniele Paterna ein mögliches Handspiel im Strafraum von Parma. Seine erste Einschätzung: kein Foul — "Schauen Sie sich die Position des Arms an, er scheint am Körper zu sein." Dann blickte er aus der Kamera. Die Ermittler glauben, dass Rocchi in diesem Moment eingriff. Udinese bekam den Elfmeter. Sie verwandelten. Sie gewannen 1:0.

Die Ermittlung öffnet auch einen zuvor archivierten Fall aus der Saison 2023-24 mit Alessandro Bastoni wieder, bei dem VAR-Offizieller Luigi Nasca degradiert wurde, weil er ein Foul nicht anzeigte, das zu einem Tor führte. Zivilgerichte haben ihn nun wieder ans Licht gebracht.

Über die VAR-Einmischung hinaus untersucht die Ermittlung, ob Rocchi Schiedsrichter einsetzte, die von bestimmten Vereinen bevorzugt wurden — Inter wird in Berichten namentlich genannt — anstatt neutrale Ansetzungen vorzunehmen. Kein Verein hat sich geäußert.

Der Schatten von Calciopoli

Italien war schon einmal hier. 2006 enthüllte der Calciopoli-Skandal ein System, in dem Vereine aktiv vorteilhafte Schiedsrichter auswählten. Juventus wurde relegiert, zwei Titel aberkannt, und das gesamte Fußball-Establishment wurde umstrukturiert. Das war vor fast 20 Jahren.

Die Parallelen sind offensichtlich und unbequem. Wenn sich die Vorwürfe gegen Rocchi bestätigen, ist das nicht ein einzelner Offizieller, der schlechte Entscheidungen trifft — es ist die Person, die den gesamten Schiedsrichterapparat kontrolliert und angeblich Ergebnisse manipuliert. Jede knappe Entscheidung, jeder verwandelte Elfmeter, jeder Titelkampf der letzten zwei Saisons steht nun unter einer dunklen Wolke.

Der italienische Sportminister Andrea Abodi nahm kein Blatt vor den Mund: "Das schwerwiegendste Problem, das auftaucht, ist, wie diese Beschwerde innerhalb des Fußballsystems behandelt wurde." Diese Beschwerde kam vom ehemaligen Schiedsrichterassistenten Domenico Rocca im Mai 2025 — und nach Abodis eigenen Angaben gab es keine öffentliche Reaktion und keine Klarheit darüber, wer sie erhielt oder was damit gemacht wurde.

Jeder Markt, der Serie-A-Ergebnisse aus der Saison 2024-25 betrifft — Handicaps, Titelquoten, Abstiegsergebnisse — ist nun auf möglicherweise kompromittiertem Boden gebaut. Napolis Scudetto mag legitim sein. Aber die Frage wird sie trotzdem verfolgen.

Die Ermittlung läuft. CONI wurde offiziell um Antworten gebeten. Rocchi bleibt vorerst im Amt.