Italiens Fußballkrise: Dritte WM-Qualifikation gescheitert & Europäischer Kollaps

Italiens Fußballkrise: Dritte WM-Qualifikation gescheitert & Europäischer Kollaps

"Wir haben den Tiefpunkt erreicht." Das sagt Fabio Capello, nicht irgendein Boulevardkolumnist. Wenn einer der erfolgreichsten italienischen Trainer sagt, dass es praktisch unmöglich ist, noch schlechter zu werden, sollte man ihm glauben.

Italien hat sich zum dritten Mal in Folge nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Bologna und Fiorentina schieden am Donnerstag aus dem Europawettbewerb aus – aus der Europa League bzw. Conference League – was bedeutet, dass kein italienischer Verein in dieser Saison in einem europäischen Halbfinale vertreten sein wird. Das letzte Mal, dass dies passierte, war 1986-87, als es nur zwei große kontinentale Wettbewerbe gab, nicht drei.

Atalanta war bereits im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Das komplette Scheitern ist perfekt.

Die Misere geht tiefer als die Ergebnisse

FIGC-Präsident Gabriele Gravina ist zurückgetreten. Italien hat nach Gattusos Abgang immer noch keinen Nationaltrainer. Die Wahlen zur Nachfolge Gravinas sind erst für den 22. Juni angesetzt, was bedeutet, dass die gesamte Verwaltungsstruktur mitten in der Krise eingefroren ist. Antonio Conte und Max Allegri gelten Berichten zufolge als Favoriten für den Trainerposten, aber nichts geschieht, bis der Verband seine eigenen Angelegenheiten geordnet hat.

Carlo Ancelotti, der jetzt Brasilien trainiert, brachte es am Freitag auf den Punkt. "Die großen ausländischen Spieler kommen nicht mehr nach Italien", sagte er und verwies auf die finanzielle Kluft zwischen der Serie A und ihren Konkurrenten. TV-Rechtegelder und mächtige Investorengruppen im Ausland haben andere Ligen weitaus attraktiver gemacht. Gleichzeitig habe Italiens taktische Besessenheit, so Ancelotti, "unsere Charakteristiken verfälscht".

Die Konsequenz zeigt sich auf dem Markt. Der Niedergang der Serie A ist nicht nur ein fußballerisches Problem – es ist ein kommerzielles. Alle Wettquoten auf Vereinsebene, die italienische Teams in europäischen Wettbewerben der nächsten Saison betreffen, sollten eine Liga widerspiegeln, die von ihren Rivalen umfassend überholt wurde.

Das EM 2032-Problem, über das niemand sprechen will

Italien ist zusammen mit der Türkei Co-Gastgeber der Europameisterschaft 2032. Der Stadionbau hat bei mehreren wichtigen Austragungsorten noch nicht begonnen. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin war Anfang des Monats unmissverständlich: "Ich hoffe, die Infrastruktur wird rechtzeitig fertig sein. Andernfalls wird das Turnier nicht in Italien ausgetragen."

Das ist keine versteckte Warnung. Das ist ein amtierender UEFA-Präsident, der öffentlich die Tür dafür offen lässt, Italien die Austragungsrechte zu entziehen.

Gravina fasste es vor seinem Rücktritt zusammen: "Die Krise ist tief. Der italienische Fußball muss neu gestaltet werden." Im Moment hat das Land nicht einmal die Leute, die mit der Planung beginnen könnten.