Marie-Louise Eta schreibt Geschichte als erste Trainerin in den Top-5-Ligen
Union Berlin hat gerade Geschichte geschrieben. Marie-Louise Eta, 34, wurde nach einer 1:3-Heimniederlage gegen Schlusslicht Heidenheim zur Interimscoach ernannt – und ist damit die erste Frau, die ein Männerteam in einer der fünf großen europäischen Ligen trainiert. Die Reaktionen in den sozialen Medien waren, wie vorhersehbar, hässlich.
Eta ersetzte Steffen Baumgart, dessen Position nach diesem Ergebnis unhaltbar wurde. Eine Niederlage gegen den schwächsten Verein der Liga hat eine Art, Entscheidungen zu beschleunigen. Was folgte, war ein Schritt, der die gesamte Geschichte von Unions schwieriger Saison in etwas weitaus Größeres verwandelte als nur eine Punktetabelle.
Was der Lärm tatsächlich aussagt
Sarina Wiegman – zweimalige Europameisterin und Weltcup-Finalistin als Trainerin – brachte es klar auf den Punkt: Dies war Fußball, der die Gesellschaft widerspiegelt. Sie hat recht. Die Ernennung erfolgte nur Tage nachdem Christina Koch als erste Frau um den Mond geflogen war. Fortschritt bewegt sich nicht gleichmäßig, aber er bewegt sich.
Der Fußball war allerdings schon immer ein widerwilliger Passagier. Selbst in Ländern, in denen Gleichstellungsgesetze Jahrzehnte alt sind, bleiben offen schwule männliche Spieler selten. Josh Cavallo sprach von "interner Homophobie" bei Adelaide United – über 40 Jahre nach Justin Fashanu. Die Nadel bewegt sich. Nicht weit, nicht schnell.
Costa Ricas Trainerin Amelia Valverde formulierte es noch schärfer: "Das Leben jeder Frau, die sich entschieden hat, Fußball zu spielen, ist anders, weil sie viele Dinge tun muss, um auf den Platz zu gelangen. Was für mich bedeutet, dass wir etwas anderes als Talent auf den Platz bringen können: zum Beispiel Liebe." Das ist keine Sentimentalität. Das ist eine strukturelle Beobachtung darüber, was Frauen im Fußball tragen mussten, nur um im Raum zu sein.
Was es für Union Berlin bedeutet
Auf rein sportlicher Ebene steckt Union in Schwierigkeiten. Die Niederlage gegen Heidenheim – das Tabellenschlusslicht der Liga – ist genau die Art von Ergebnis, die ein Abstiegsszenario definiert. Eta übernimmt eine Mannschaft mit geringem Selbstvertrauen, und ihre Chancen, das schnell zu ändern, sind unabhängig vom Geschlecht gering. Der Druck ist real.
Aber die Bedeutung ihrer Ernennung reicht weit über den Überlebenskampf eines Vereins hinaus. Wenn sie das Schiff stabilisiert, ändert sich die Diskussion dauerhaft. Wenn nicht, werden die Sexisten eine Rechtfertigung beanspruchen, auf die sie nie Anspruch hatten.
So oder so, sie steht an der Seitenlinie. Dieser Teil ist bereits geschehen.