Kanada WM 2026 Gruppe B Vorschau: Schaffen sie endlich den Einzug ins Achtelfinale?

Jesse Marsch ist nicht nach Kanada gekommen, um eine Mannschaft zu trainieren, die wieder in der Gruppenphase ausscheidet. "Aggressiv, selbstbewusst, kraftvoll" – so beschreibt er sein Team. Und mit Alphonso Davies, Jonathan David und den heimischen Fans im Rücken ist die WM 2026 die realistischste Chance, die Kanada je hatte, um die K.o.-Runde zu erreichen.

Sie waren schon zweimal dabei. Mexiko 1986. Katar 2022. Beide Male Aus in der Gruppenphase. In Katar wurde das Team Gruppenletzter, kassierte viele Tore und wirkte wie eine Mannschaft, die erst lernen musste, wie sich eine WM anfühlt. Davies erzielte beim 1:4 gegen Kroatien den Ehrentreffer – Kanadas erstes WM-Tor überhaupt – doch das Turnier war da längst gelaufen.

Diesmal ist es auf dem Papier anders. Alle drei Gruppenspiele finden auf heimischem Boden statt, das Auftaktspiel gegen Bosnien und Herzegowina am 12. Juni in Toronto. Rot-weiße Massen, ein eingespielter Kader und ein Trainer, der tatsächlich etwas aufgebaut hat. Kanada ist auf Platz 30 der Weltrangliste. Das ist eine gewinnbare Gruppe.

Die Gruppe ist kein Selbstläufer, aber auch kein Höllenritt

Die Schweiz ist das erfahrenste Team in Gruppe B. Sie haben bei ihren letzten drei Weltmeisterschaften jeweils die K.o.-Runde erreicht, in der gesamten Qualifikation nicht mehr als zwei Gegentore pro Spiel kassiert und werden von Granit Xhaka angeführt – über 140 Länderspiele, mittlerweile bei Sunderland in der Premier League. Sie verlieren nicht aus Versehen. Die Schweizer eröffnen am 13. Juni in Santa Clara gegen Katar und dürften als Gruppenfavoriten gelten.

Katar ist dabei, weil sie 2022 Mitgastgeber waren. Und obwohl der Ehrgeiz real ist – Julen Lopetegui hat das Traineramt übernommen, Stürmer Almoez Ali hat 55 Länderspieltore – hat ein auf Platz 56 rangiertes Team, das fast ausschließlich aus Ligaspielern besteht, eine Leistungsgrenze. Sie sind schlagbar.

Bosnien und Herzegowina ist der Joker. Sie haben sich qualifiziert, indem sie am 31. März Italien – viermaliger Weltmeister – im Elfmeterschießen ausgeschaltet haben, ein Ergebnis, das sich immer noch leicht unwirklich anfühlt. Aber ihr bester Spieler, Edin Dzeko, hat sich dabei die Schulter verletzt. Der 40-jährige Stürmer von Schalke 04 ist Bosniens Rekordtorschütze mit 73 Toren in 148 Einsätzen, und seine Verfügbarkeit für das Turnier ist ein echtes Fragezeichen. Bosnien ohne einen fitten Dzeko ist eine völlig andere Hausnummer.

Davies und David machen den Unterschied

Kanadas Chancen auf ein Weiterkommen hängen stark von ihren beiden größten Namen ab. Davies beim FC Bayern München ist einer der dynamischsten Linksverteidiger im europäischen Fußball. David bei Juventus ist ein Stürmer, der auf jeder Ebene trifft. Wenn Marsch ein System aufbauen kann, das beiden den Ball in gefährlichen Positionen zuspielt, kann Kanada jeden in dieser Gruppe wehtun.

Marsch formulierte es deutlich: "Ich habe einfach versucht, einen Fußballstil mitzubringen, der ihre rohen Fähigkeiten zugänglich macht und zur Geltung bringt." Das ist der Plan. Ob er gegen die defensive Disziplin der Schweiz standhält, wird Kanadas Turnier definieren.

  • Kanada (Platz 30) — Auftakt gegen Bosnien und Herzegowina, 12. Juni, Toronto
  • Schweiz (Platz 19) — Auftakt gegen Katar, 13. Juni, Santa Clara
  • Katar (Platz 56) — trainiert von Julen Lopetegui, zweite WM-Teilnahme
  • Bosnien und Herzegowina (Platz 66) — Dzeko-Verletzung die zentrale Frage

Die Schweiz ist der Favorit auf den Gruppensieg – ungeschlagen in der Qualifikation, erfahren in K.o.-Spielen und zuerst gegen Katar spielend. Dass Kanada als Gruppenzweiter weiterkommt, ist durchaus plausibel, besonders wenn Dzeko angeschlagen ist. Die Quotenverteilung wird sich verschärfen, sobald wir im Juni mehr über Bosniens Verletzungssituation wissen.

Kanadas Trainer sagt, die Spieler hätten es genossen. Das Land wird es noch viel mehr genießen, wenn sie im Juli noch spielen.