Prozess um Maradonas Tod startet in Argentinien neu | Fahrlässige Tötung

Prozess um Maradonas Tod startet in Argentinien neu | Fahrlässige Tötung

"Wir hoffen, dass das Gericht der Bedeutung dieses Falls gerecht wird" – so begrüßte Anwalt Mario Baudry, der Maradonas jüngsten Sohn Diego Fernando vertritt, die Wiederaufnahme des Prozesses um den Tod der Fußballlegende. Nachdem der erste Versuch aufgrund eines Fehlprozesses gescheitert war, begannen die Verhandlungen am Dienstag, den 14. April, erneut in San Isidro in der Nähe von Buenos Aires.

Diego Maradona starb am 25. November 2020. Er war 60 Jahre alt und erholte sich von einer Gehirnoperation zur Entfernung eines Blutgerinnsels, als ihn ein Herzinfarkt tötete. Was in der Behandlung vor diesem Moment geschah, soll nun vom Gericht beurteilt werden – erneut.

Wer steht vor Gericht und welche Anschuldigungen gibt es

Sieben Mitglieder von Maradonas medizinischem Team müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Die drei prominentesten Angeklagten sind der Neurochirurg Leopoldo Luque, die Psychiaterin Agustina Cosachov und der Psychologe Carlos Diaz. Alle haben sich auf nicht schuldig wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz bekannt.

Die Anschuldigungen kamen nicht aus dem Nichts. Ein staatsanwaltschaftlich beauftragtes Ärztegremium überprüfte 2021 die Umstände von Maradonas Tod und kam zu dem Schluss, dass seine Behandlung "unangemessen, mangelhaft und fahrlässig" gewesen sei. Das ist eine vernichtende Bewertung. Eine Verurteilung könnte für die Verantwortlichen bis zu 25 Jahre Haft bedeuten.

Der erste Prozess – der nur drei Monate dauerte – wurde für ungültig erklärt, nachdem die vorsitzende Richterin Julieta Makintach wegen Vorwürfen des Fehlverhaltens entfernt wurde. Ein Neuanfang war die einzige Option, und fast ein Jahr später ist das der aktuelle Stand.

Was der neue Prozess bedeutet

Fast 100 Zeugen werden voraussichtlich aussagen. Der Fall ist lang, komplex und politisch aufgeladen in einem Land, in dem Maradona nicht nur ein Fußballer ist – er ist eine kulturelle Institution. Baudry formulierte es deutlich: Das Gericht muss verstehen, "was Diego für die Argentinier und für die Fußballwelt bedeutete."

Dieses Gewicht wird die Justiz nicht beschleunigen. Argentinische Gerichtsverfahren dieser Größenordnung verlaufen selten schnell, und nach einem bereits gescheiterten Prozess weiß Maradonas Familie besser, als eine rasche Lösung zu erwarten. Der Fall ist wieder in Bewegung. Ob es so bleibt, ist eine ganz andere Frage.